Illustration eines Atlantik-Globus mit einem Strömungspfeil nach rechts und einer separaten Wetterfahne, deren Spitze nach links zeigt
Wind und Wetterkarten

Windrichtung verstehen: Warum Westwind nach Osten weht

Westwind kommt aus Westen. Lerne, Windrichtung, Gradangaben, Strömungspfeile und Windfiedern zu unterscheiden – mit Beispielen und einer Karten-Leseroutine.

Auf der Wetterkarte zeigt ein Pfeil nach rechts, im Wetterbericht ist von Westwind die Rede. Passt das zusammen? Ja: Westwind kommt aus Westen und weht nach Osten. Die meteorologische Windrichtung bezeichnet die Herkunft der Luft, nicht ihr Ziel.

Mit dieser Unterscheidung lassen sich Windnamen und Gradangaben leicht einordnen. Bei Kartensymbolen kommt eine zweite Frage hinzu: Zeigt das Zeichen, woher der Wind kommt, oder wohin sich die Luft bewegt?

Der Wind wird nach seiner Herkunft benannt

Stell dir eine gerade, von Westen nach Osten verlaufende Straße vor. Die Luft bewegt sich von der westlichen Straßenseite zur östlichen. Du spürst den Wind aus Westen: Es ist Westwind. Schaust du nach Westen, blickst du der ankommenden Luft entgegen.

Diese Benennung gilt für alle Himmelsrichtungen. Der National Weather Service erklärt sie ausdrücklich am Beispiel eines Westwinds.

WindnameDie Luft kommt aus …Die Luft bewegt sich nach …
NordwindNordenSüden
OstwindOstenWesten
SüdwindSüdenNorden
WestwindWestenOsten

Auch die Zwischenrichtungen folgen der Regel: Südwestwind kommt aus Südwesten und weht nach Nordosten. Der Windname beschreibt dabei die lokale Richtung. Er sagt nicht, dass die Luft den ganzen Weg vom anderen Ende eines Kontinents geradlinig zurückgelegt hat.

Eine einfache Merkhilfe lautet: Der Windname nennt die Seite, aus der es dir entgegenweht. Eine ausgewehte Flagge zeigt dagegen mit ihrem freien Ende in die Richtung, in die die Luft weiterströmt.

Was bedeuten 90°, 180° und 270°?

Eine Windrose teilt die Richtungen in Winkel ein. Ausgangspunkt ist Norden; gezählt wird im Uhrzeigersinn über Osten, Süden und Westen zurück nach Norden.

HerkunftsrichtungWinkel auf der Windrose
Norden0° beziehungsweise 360° als Kreisposition
Osten90°
Süden180°
Westen270°
Südwesten225°

Die Windfinder-Richtungstabelle zeigt diese Zuordnung. Steht in einer Windangabe 270°, kommt die Luft also aus Westen. Bei 225° kommt sie aus Südwesten. Die Gradzahl beschreibt keine Windgeschwindigkeit.

Bei Wetterdaten lohnt sich ein Blick auf die Codierung: Im NWS-Glossar zur Windrichtung wird Nordwind mit 360° angegeben, während 0° für Windstille reserviert ist. Die geometrische Windrose und ein konkreter Datencode sind deshalb nicht immer dasselbe. Eine Null ohne Kontext sollte man nicht automatisch als Nordwind lesen.

Pfeil, Windfieder und Wetterfahne zeigen nicht dasselbe

Strömungspfeil: Wohin bewegt sich die Luft?

Wenn die Legende einen Pfeil als Bewegungsrichtung erklärt, zeigt seine Spitze das Ziel der Luftbewegung. Auf einer nordorientierten Karte bedeutet ein Pfeil nach rechts dann Bewegung nach Osten – und damit Wind aus Westen.

Der entscheidende Zusatz lautet „wenn die Legende“. Nicht jedes Symbol in jeder Wetter-App nutzt dieselbe Konvention. Eine gedrehte Karte verändert außerdem, wo Osten auf dem Bildschirm liegt. Prüfe deshalb Kartenausrichtung und Zeichenerklärung, bevor du aus „rechts“ eine Himmelsrichtung machst.

Windfieder: Woher kommt der Wind, und wie schnell ist er?

Auf meteorologischen Stationskarten sieht man häufig einen Kreis mit einem langen Schaft und kleinen seitlichen Strichen. Bei dieser Windfieder erstreckt sich der Schaft vom Stationskreis in die Richtung, aus der der Wind kommt. Ein nach Westen gerichteter Schaft steht also für Westwind.

Die kleinen Striche codieren die Geschwindigkeit. In der NOAA-Erklärung zu Stationsplots steht ein voller Strich für 10 Knoten, ein halber für 5 Knoten. Zwei volle Striche ergeben 20 Knoten. Das ist eine andere Darstellung als ein einfacher Strömungspfeil: Die Herkunft liest du am Schaft, die Geschwindigkeit an den Fiedern.

Wetterfahne: Die Spitze zeigt dem Wind entgegen

Bei einer klassischen Wetterfahne mit Pfeil zeigt die Spitze zur ankommenden Luft. Ihre größere Schwanzfläche wird nach Lee gedrückt. Bei Westwind weist die Spitze deshalb nach Westen, während das freie Ende einer ausgewehten Flagge nach Osten zeigt.

Der scheinbare Widerspruch verschwindet, sobald du fragst, was du anschaust: Herkunftsanzeiger oder Bewegungsanzeiger?

Eine Windkarte in fünf Schritten lesen

  1. Ausrichtung prüfen. Ist Norden oben, oder wurde die Karte gedreht?
  2. Symbol klären. Zeigt die Legende Herkunft, Strömungsrichtung oder eine Windfieder?
  3. Herkunft aussprechen. Formuliere „Der Wind kommt aus …“, bevor du ihm einen Namen gibst.
  4. Geschwindigkeit getrennt lesen. Achte auf Einheit und Legende; Farbe, Zahl und Fiedern können unterschiedliche Informationen tragen.
  5. Zeit und Höhe vergleichen. Prüfe, für welchen Zeitpunkt und welche Höhe die Daten gelten und ob es eine Beobachtung oder Vorhersage ist. Ein Höhenwind muss nicht dieselbe Richtung haben wie der Wind am Boden.

So vermeidest du, zwei verschiedene Ebenen oder Zeitpunkte nur wegen ähnlicher Farben für dieselbe Windlage zu halten.

Zwei kurze Beispiele zum Selberlösen

Beispiel 1 – fiktiver Wetterbericht: „Wind 270°, 20 km/h.“ Die Luft kommt aus Westen und bewegt sich nach Osten. 270° ist die Herkunftsrichtung, 20 km/h die Geschwindigkeit.

Beispiel 2 – schematische Karte: Norden liegt oben. Die Legende sagt, dass die Pfeile die Luftbewegung zeigen. Ein Pfeil weist nach rechts oben, also nach Nordosten. Der Wind kommt aus der Gegenrichtung: Südwestwind. Würde stattdessen der Schaft einer Windfieder vom Stationskreis nach Nordosten zeigen, wäre es Nordostwind.

Beide Beispiele sind Übungssituationen, keine aktuellen Messwerte. Wichtig ist die Reihenfolge: erst das Zeichen verstehen, dann die Richtung benennen.

Wind räumlich mit LiveGlobe 3D erkunden

In LiveGlobe 3D kannst du den Globus drehen und zoomen und im Live-Menü verfügbare Boden- oder Höhenwindansichten einschalten. Für die Web-App ist eine Anmeldung vorgesehen; die Windebenen hängen von Premium-Zugang und externen Daten ab.

Beginne mit einer Ansicht und einer Region. Ordne die sichtbaren Muster zu Küsten und Kontinenten ein und vergleiche sie bei Bedarf mit einer Wetterquelle, deren Legende, Zeitpunkt und Datenhöhe du nachvollziehen kannst. Wechsle anschließend die Ebene, ohne unterschiedliche Höhen automatisch als denselben Wind zu behandeln. Einen bestimmten Symbolschlüssel solltest du immer bei der jeweiligen Quelle nachsehen.

Mehr zum räumlichen Ortswetter findest du im Artikel Wetter und Vorhersage auf dem 3D-Globus. Für die Windrichtung bleibt die kurze Grundregel: Westwind heißt „aus Westen“ – auch wenn sich die Luft nach Osten bewegt.

Sieh dir LiveGlobe 3D und die für dich verfügbaren Ansichten an und probiere die Leseroutine an einer Region aus, die du kennst.

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