Warum liegen viele Wüsten nahe den Wendekreisen?
Warum liegen viele Wüsten in den Subtropen? Verstehe Hadley-Zelle, absinkende Luft und Trockenheit – mit Globusübung und wichtigen Ausnahmen.
Sahara, Arabische Wüste, große Trockengebiete Australiens: Auf dem Globus liegen auffällig viele Wüsten nördlich und südlich der Tropenmitte. Ein wichtiger Grund ist absinkende Luft in der Hadley-Zirkulation. Sie erwärmt sich beim Sinken und erschwert dadurch die Bildung von Regenwolken.
Das erklärt ein weltweites Muster, aber keinen lückenlosen Wüstenring. Meeresströmungen, Gebirge und die Lage im Inneren eines Kontinents gestalten das Bild mit.
Eine Wüste ist vor allem trocken, nicht unbedingt heiß
Für eine Wüste ist entscheidend, dass langfristig sehr wenig Niederschlag fällt. Hitze und Sanddünen sind keine Voraussetzung: Auch kalte Gebiete können Wüsten sein. Die National Geographic Society unterscheidet deshalb unter anderem subtropische, Küsten-, Regenschatten-, Binnen- und Polarwüsten.
Bei vielen heißen Wüsten fällt die ähnliche geografische Breite auf. Als grobe Orientierung lohnt sich ein Blick in die Gürtel zwischen etwa 20 und 35 Grad nördlicher und südlicher Breite. Die Wendekreise bei ungefähr 23,4 Grad liegen darin, sind aber keine Wüstengrenzen.
Die Hadley-Zelle in vier Schritten
Die Sonne erwärmt die Erde in den Tropen stark. Daraus entsteht ein Teil der großräumigen atmosphärischen Zirkulation. Der Met Office erklärt die Hadley-Zellen als Verbindung zwischen tropischem Aufstieg und subtropischem Absinken:
- Luft steigt in der tropischen Konvergenzzone auf. Dort treffen bodennahe Luftströmungen zusammen. Feuchte aufsteigende Luft dehnt sich aus und kühlt ab.
- Wasserdampf kondensiert. Wolken und kräftiger Regen können entstehen. Dabei fällt ein Teil des Wassers aus der Luft aus, nicht ihr gesamter Wasserdampf.
- In der Höhe strömt Luft polwärts. Sie bewegt sich aus den Tropen in Richtung der Subtropen.
- In den Subtropen sinkt Luft großräumig ab. Am Boden begünstigt das Hochdruckgebiete; ein Teil der Luft strömt als Passatwind wieder in Richtung der tropischen Konvergenzzone.
Diese „Zelle“ ist ein vereinfachtes Bild der über längere Zeit gemittelten Strömung. Die Atmosphäre arbeitet nicht wie ein starres Förderband: Aufstiegszonen und Druckgürtel verlagern sich mit den Jahreszeiten, und Land und Meer verändern die regionale Verteilung.
Warum macht absinkende Luft Regen unwahrscheinlicher?
Beim Sinken gelangt ein Luftpaket unter höheren Druck. Es wird zusammengedrückt und wärmer. Bleibt sein Wasserdampfgehalt dabei gleich, sinkt die relative Luftfeuchtigkeit: Die Luft ist weiter von der Sättigung entfernt.
So können Wolkentröpfchen verdunsten, und großräumiges Absinken wirkt dem Aufstieg entgegen, der Regenwolken aufbauen könnte. Zusammen mit der bereits erfolgten Abgabe eines Teils der Feuchtigkeit in den Tropen begünstigt das trockene Bedingungen.
Die entscheidende Kette lautet also nicht „viel Sonne, deshalb nie Regen“, sondern Zirkulation → Absinken → Erwärmung → geringere relative Feuchte und erschwerte Wolkenbildung. Den umgekehrten Weg beim Aufsteigen erklärt der Artikel Wie entstehen Wolken?.
Warum liegt dann nicht überall bei 30 Grad eine Wüste?
Der subtropische Hochdruckgürtel ist nur ein Teil der Erklärung. An einer bestimmten Küste können feuchte Winde und jahreszeitliche Regenzeiten Wasser bringen; andernorts verstärken zusätzliche Faktoren die Trockenheit.
| Einfluss | Was du daran erkennen kannst |
|---|---|
| Großräumiges Absinken | Grundmuster vieler subtropischer Wüsten, etwa der Sahara |
| Kalte küstennahe Meeresströmung | Kann zusammen mit stabiler Luft Küstenwüsten begünstigen; Nebel bedeutet dort nicht automatisch ergiebigen Regen |
| Gebirge | Auf der Leeseite kann weniger Niederschlag ankommen |
| Kontinentinneres | Feuchtigkeit vom Meer erreicht die Region nur begrenzt |
Die Atacama ist ein gutes Beispiel dafür, dass Küsteneinfluss und weitere Faktoren zusammenwirken. Ein Regenschatten ist dagegen ein eigener, geländeabhängiger Mechanismus; dazu findest du eine Erklärung unter Luv, Lee und Steigungsregen. Die Antarktis zeigt schließlich, dass eine Wüste auch weit außerhalb der Subtropen liegen kann.
Eine kleine Erkundung mit LiveGlobe 3D
In LiveGlobe 3D kannst du den Globus drehen, zoomen und in den Einstellungen Äquator und Wendekreise einblenden. Für die Web-App ist eine Anmeldung vorgesehen.
Beginne bei Afrika: Vergleiche die Lage der Sahara mit dem Äquator und dem nördlichen Wendekreis. Drehe anschließend weiter zur Arabischen Halbinsel und zu Australien. Suche nach dem groben Breitenmuster, nicht nach einem exakt durchgehenden Band.
Notiere dann eine Gegenfrage: „Warum ist ein anderer Ort auf ähnlicher Breite nicht genauso trocken?“ Küstenlage, Feuchtenachschub und Gelände liefern dafür erste Anhaltspunkte. Für den tatsächlichen Niederschlag brauchst du langjährige Klimadaten; die Farbe der Erdoberfläche oder eine einzelne Wetteransicht reicht nicht.
Sieh dir LiveGlobe 3D und seine verfügbaren Ansichten an und verfolge die Wüstengürtel einmal rund um die Erde.
Häufige Fragen
Ist die Sahara trocken, weil sie am Äquator liegt?
Die Sahara liegt überwiegend nördlich des Äquators in den Subtropen. Nahe der tropischen Konvergenzzone begünstigt aufsteigende feuchte Luft häufig Regen; über der Sahara spielt dagegen großräumiges Absinken eine wichtige Rolle.
Heißt Hochdruck, dass es niemals regnet?
Nein. Er beschreibt hier eine häufige, trockenheitsfördernde Zirkulationslage. Auch Wüsten können Regen erhalten. Entscheidend ist die langfristige Niederschlagsarmut.
Kurzvideos
Die App in Bewegung: kurze, echte Einblicke direkt aus der Nutzung.
Auf einen Blick
Wie sich die App auf dem Handy anfühlt.