Schematischer geologischer Schnitt mit einem Erdbebenherd im Gestein, einem Punkt senkrecht darüber an der Oberfläche und Wellenbögen um den Herd.
Erde und Naturereignisse

Erdbebenkarte lesen: Magnitude, Herdtiefe und Intensität unterscheiden

Was sagen Magnitude, Herdtiefe und Intensität aus? Lerne, eine Erdbebenmeldung zu lesen und Kartenpunkte von örtlichen Auswirkungen zu unterscheiden.

Ein Punkt auf einer Erdbebenkarte, daneben „M 4,8“ und „12 km“: Die Meldung wirkt eindeutig. Doch wie stark hat es an einem bestimmten Ort gewackelt? Dafür reichen diese beiden Zahlen nicht aus. Die Magnitude beschreibt die Größe des Erdbebens, die Herdtiefe seine Lage im Untergrund und die Intensität seine Auswirkungen an einem bestimmten Ort. Wer die drei Größen auseinanderhält, kann eine Bebenmeldung viel besser einordnen (SED: Magnitude; SED: Intensität).

Drei Angaben, drei verschiedene Fragen

AngabeWelche Frage beantwortet sie?Was sagt sie allein nicht?
Magnitude, etwa M 4,8Wie groß ist das Ereignis?Wie stark die Erschütterung in deinem Ort war
Herdtiefe in KilometernWie tief liegt der Erdbebenherd?Wie groß das Beben ist oder welche Schäden entstanden sind
Intensität, etwa eine Stufe der EMS-98Wie wirkte das Beben an einem bestimmten Ort?Eine überall gültige Größe des gesamten Ereignisses

Eine hilfreiche Merkhilfe lautet: Magnitude gehört zum Beben, Intensität zum Ort. Die Tiefe ergänzt das räumliche Bild. Eine Intensitätsstufe und eine Magnitude sind deshalb keine zwei Schreibweisen für dieselbe Zahl.

Epizentrum und Hypozentrum: Warum der Kartenpunkt an der Oberfläche liegt

Der Erdbebenherd im Untergrund heißt Hypozentrum. Seine Position wird mit geografischer Breite, Länge und Tiefe beschrieben. Das Epizentrum ist der Punkt an der Erdoberfläche senkrecht darüber. So definiert es der Schweizerische Erdbebendienst.

Stell dir einen einfachen Schnitt durch den Boden vor: Im Gestein liegt ein Punkt, von dem seismische Wellen ausgehen. Ziehst du von dort eine Linie nach oben zur Oberfläche, erreichst du das Epizentrum. Die Karte kann diesen Oberflächenpunkt zeigen; für die dritte Dimension benötigst du zusätzlich die Herdtiefe.

Der Punkt ist also eine räumliche Zuordnung des Ereignisses, kein Umriss seines Schadensgebiets. Auch ein großer Kreis um den Marker ist erst dann sinnvoll lesbar, wenn die Legende erklärt, wofür seine Größe steht.

Magnitude: Die Größe des Ereignisses, keine örtliche Schadensnote

Die Magnitude wird aus seismischen Messungen bestimmt und charakterisiert die Größe eines Bebens. Sie ist logarithmisch: Eine zusätzliche Magnitudeneinheit entspricht ungefähr 30-mal so viel freigesetzter Energie. Ein Beben der Magnitude 6 setzt damit grob 30-mal so viel Energie frei wie eines der Magnitude 5 – nicht einfach „ein bisschen mehr“ (SED: Magnitude).

Dieser Vergleich beschreibt die Energie der Ereignisse. Er bedeutet nicht, dass jedes Gebäude beim größeren Beben 30-mal so stark belastet wird oder 30-mal so viel Schaden nimmt. Dafür sind unter anderem Entfernung, Untergrund und Bauweise wichtig.

Auch das Kürzel neben der Zahl lohnt einen Blick: ML bezeichnet die lokale Magnitude, die auf die Richterskala zurückgeht; Mw die Momentmagnitude. Die Verfahren unterscheiden sich. Deshalb solltest du nicht jede Zahl pauschal „Richter“ nennen. Steht lediglich „M“ in der Meldung, prüfe die Erläuterung des Herausgebers, statt selbst einen Magnitudentyp zu ergänzen (SED: Magnitudentypen).

Herdtiefe: Der Kartenpunkt hat eine dritte Dimension

Die Herdtiefe sagt, wie tief das Hypozentrum liegt. Sie ist nicht die Entfernung entlang der Oberfläche zwischen dir und dem Epizentrum. Selbst wenn ein Ort auf der Karte direkt über dem Herd liegt, befindet sich die Quelle noch unter ihm.

Oberflächennahe Beben können in ihrer Umgebung stärker spürbar sein als tiefere Beben vergleichbarer Größe. Der SED erläutert diesen Zusammenhang für die Schweiz. Eine pauschale Regel wie „doppelte Tiefe bedeutet halb so viel Erschütterung“ lässt sich daraus aber nicht machen: Zur Tiefe kommen die Entfernung, der Weg der Wellen und der örtliche Untergrund (SED: Herdtiefe; SED: Intensität).

Lies die Tiefe deshalb als räumliche Zusatzinformation. Ein Wert von 12 km bedeutet nicht „Magnitude 12“ und verrät auch nicht, wie viele Kilometer weit das Beben verspürt wurde.

Intensität: Dasselbe Beben kann sich an zwei Orten anders auswirken

Die Intensität beschreibt die Wahrnehmung und Auswirkungen eines Bebens an einem bestimmten Ort. In der Europäischen Makroseismischen Skala EMS-98 reichen die Stufen von I bis XII und werden traditionell mit römischen Zahlen geschrieben. Das ist eine andere Skala als die Magnitude (SED: EMS-98).

Die örtliche Intensität hängt unter anderem von der Magnitude, der Entfernung zum Herd und der Geologie ab. Zwei Orte müssen deshalb nicht dieselbe Erschütterung erleben, auch wenn sie zu demselben Erdbeben gehören. Für tatsächliche Gebäudeschäden spielt zusätzlich die Bauweise eine wichtige Rolle.

Klassische Intensitätsbewertungen nutzen Beobachtungen und Auswirkungen. Daneben gibt es instrumentell abgeleitete Intensität aus gemessenen Bodenbewegungen. Wenn du eine Intensitätskarte liest, frage daher auch: Beruht sie auf Meldungen aus der Bevölkerung, auf Messungen und Modellierung oder auf einer Kombination? Eine Zahl ohne Skalenname und Ortsbezug ist unvollständig.

Eine fiktive Bebenmeldung Schritt für Schritt lesen

Nehmen wir als reines Übungsbeispiel eine externe Meldung: „M 4,8 · Herdtiefe 12 km · 10:15 UTC“. Sie beschreibt kein tatsächliches Beben. Dazu zeigt eine Karte einen Marker nahe einer Küste.

  1. Ereignis und Uhrzeit zuordnen. Gehört der Marker zu dieser Meldung? Beachte Datum und die angegebene Zeitzone; UTC ist nicht automatisch deine Ortszeit.
  2. Magnitude lesen. 4,8 beschreibt die Größe des Ereignisses. Fehlt der Magnitudentyp, schau in die Quellenerläuterung.
  3. Tiefe ergänzen. Der Herd liegt nach dieser Beispielangabe 12 km tief. Der Oberflächenmarker und der Herd sind nicht derselbe räumliche Punkt.
  4. Örtliche Auswirkungen suchen. Wie stark es in einer Küstenstadt war, steht hier noch nicht. Dafür brauchst du zusätzliche Informationen, etwa eine Intensitätsdarstellung oder fachlich eingeordnete Wahrnehmungsmeldungen.
  5. Status und Legende prüfen. Sind die Angaben automatisch berechnet oder bereits überprüft? Was bedeuten Farbe, Symbol und Größe des Markers?

Die korrekte Zusammenfassung lautet also: „Ein Ereignis der angegebenen Größe und Tiefe wurde gemeldet.“ Eine konkrete Intensitätsstufe oder Schadensprognose für die Küstenstadt wäre eine zusätzliche Aussage, für die diese Beispielmeldung keinen Beleg liefert.

Ereigniskarte oder ShakeMap: Auf die Darstellung kommt es an

Eine Ereigniskarte hilft vor allem bei der Frage „Wo fand ein Beben statt?“ Eine ShakeMap schätzt hingegen die räumliche Verteilung der Bodenerschütterung und damit verbundene Auswirkungen. Der SED beschreibt dafür die Kombination aus Stationsmessungen und Modellen. Solche Karten können vorläufig sein und bilden kleinräumige Unterschiede nur näherungsweise ab (SED: ShakeMap).

Lies daher zuerst den Kartentitel und die Legende. Eine rote Markierung kann je nach Karte etwas anderes bedeuten; sie ist ohne Erläuterung keine örtliche Intensitätsstufe. Auch eine ShakeMap ist keine Begutachtung eines einzelnen Hauses.

Zum Datenstand gehört außerdem der Unterschied zwischen automatischer Erstmeldung und überprüfter Auswertung. Auf der Meldungsseite des SED ist dieser Status ausdrücklich gekennzeichnet. Nutze bei einem konkreten Ereignis die aktuelle Fassung der zuständigen Fachquelle.

Den räumlichen Zusammenhang mit LiveGlobe 3D erkunden

Ein Globus hilft dir, die Region einer Meldung im größeren Zusammenhang zu betrachten. In LiveGlobe 3D kannst du den Globus drehen und zoomen, im Live-Menü die Erdbebenebene einschalten und über das Info-Symbol die Ereignisliste öffnen. Ein anklickbarer Listeneintrag führt zum zugehörigen Ort. Der Web-Zugang setzt eine Anmeldung voraus; die Erdbebenebene kann Premium-Zugang benötigen und hängt von erreichbaren externen Daten ab.

Nutze diese räumliche Ansicht als Einstieg: Wo liegt die Region, und welche Küsten oder Nachbarorte siehst du? Lies anschließend Magnitude, Tiefe und örtliche Auswirkungen in der zugehörigen Fachmeldung. So ergänzen sich Globus und Fachquelle, ohne dass ein Marker zur Schadensbewertung wird.

Wenn du diesen Blick auf Ereignisse ausprobieren möchtest, findest du auf der LiveGlobe-3D-Hauptseite den Einstieg zu den verfügbaren Ansichten.

Häufige Fragen

Ist jede Magnitude ein Wert auf der Richterskala?

Nein. Die lokale Magnitude ML geht auf Richter zurück; daneben existieren andere Verfahren, etwa die Momentmagnitude Mw. Lies das angegebene Kürzel und die Erläuterung der Quelle.

Kann ein Erdbeben mehrere Intensitäten haben?

Ja. Die Intensität ist ortsabhängig. Ein einziges Ereignis kann an verschiedenen Orten unterschiedlich starke Auswirkungen haben; die Magnitude charakterisiert dagegen das Ereignis.

Kann ich aus Magnitude und Tiefe die Schäden ableiten?

Nicht für einen bestimmten Ort oder ein einzelnes Gebäude. Entfernung, Untergrund und Bauweise sind ebenfalls wichtig. Suche nach örtlichen Fachinformationen, statt eine Schadenszahl aus dem Kartenpunkt zu schätzen.

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